Aktuelles

Beitrag 1

      

Liebe Afghanistanfreunde, 

seit unserer Gründung als eingetragener Verein 1982, berichten wir ausführlich und aktuell über unser Engagement für die Menschen in Afghanistan und damit auch die positive, wie auch die negative Entwicklung des Landes über diesen langen Zeitraum hinweg aus unserer Sicht aufgezeichnet.
Die Freude und auch der Stolz über die beachtlichen Erfolge, die wir zusammen mit unseren Partnern und der Bevölkerung in unseren jeweiligen Projektgebieten erreichten, haben wir gerne mit unseren Spendern geteilt, denn dies war -und ist- auch nur durch Spenden möglich.
Verschwiegen haben wir aber auch nicht, wie schwierig sich die Arbeit für uns und unsere afghanischen Partner vor Ort gestaltet. Besonders in den letzten Jahren verschlechterte sich die Sicherheitslage dramatisch. Wir Projektreisende konnten uns nur noch in Kabul für die notwendigen Projektgespräche mit unseren Freunden treffen, und nun hat die Pandemie auch davor vorläufig einen Riegel geschoben.
Dennoch sind wir froh, mit unseren Partnern auch auf Distanz gut zusammen arbeiten zu können. Bei der Projektplanung steht „Hilfe zur Selbsthilfe“ und die Prüfung auf Nachhaltigkeit stets an erster Stelle. In Abstimmung mit der Bevölkerung wird umsichtig geplant, ausgeführt und betreut. Die sozialen Netzwerke machen es möglich, durch Bild- und Videomaterial am Entstehen der geplanten Baumaßnahmen und auch am Schulalltag teilzunehmen. So können wir auch weiterhin aktuell über den Stand unsere Arbeit berichten und einmal mehr für unsere Projekte werben und eindringlich um Spenden bitten. 

Wie viele andere Vereine kämpfen wir darum, unsere langjährigen Partner, gerade in dieser schweren Zeit der Pandemie und hoffentlich darüber hinaus, zu unterstützen, damit die in diesen Jahren so mühsam geschaffenen Bildungseinrichtungen weiterhin bestehen können. Es wird sowohl für die LehrerInnen, als auch für die SchülerInnen ein enormer Kraftakt werden, nach der Pandemie das Versäumte auf- und nachzuholen. Dazu brauchen sie dringender denn je unsere und Ihre Hilfe.
Selbst die kleineste Spende hilft!

Spendenkonto 

Sparkasse Mainfranken Würzburg

IBAN: DE 12 7905 0000 0042 0201 31 

BIC: BYLADEM1SWU

    

Beitrag 2

Auswirkung der Corona Krise auf unser Leben 
Bericht eines Lehrers aus der von uns unterstützten Schullandschaft Jaghori

Stand Juni 2020: Wie ihr wisst, bleibt ja kein Fleck auf der Erde verschont. Diese Krise bringt starke Länder und Völker ins Wanken. Afghanistan ist eines der verwundbarsten davon. In Gänze ist das Land vom Geld der Weltgemeinschaft abhängig. Gegenwärtig ist die Krise sehr ernst und hat das Leben der Menschen verändert.
Das schlimmste ist die Arbeitslosigkeit. Die meisten der Tagelöhner, Angestellte einschließlich der Lehrer haben ihre Beschäftigung verloren. Die Krise hat den meisten Armut gebracht. Deswegen sagen auch die Meisten: “die Quarantäne kümmert uns nicht, wir sterben an Hunger“.

Der Corona Ausbruch ist in Afghanistan erst am Anfang, während andere bereits Erfahrungen im Umgang damit hatten. Unsere Regierung hat versprochen, dass die Gehälter der staatlichen Lehrer auch während der Quarantäne weiterhin gezahlt werden, aber was ist mit den inoffiziellen Teilzeitlehrern? Viele Lehrer wie z.B.an den FKA-Schulen arbeiten auf Basis eines Vertrags und wurden so bis jetzt vom FKA unterstützt, aber was ist mit den anderen Schulen in diesem Land? Letzte Woche haben die Lehrer privater Schulen in Kabul demonstriert um ihre Situation zu zeigen und die Regierung um Hilfe zu bitten.

Die ganze Erziehung wurde angehalten. Universitäten, Schulen und andere Kulturaktivitäten wurden gestoppt oder pausieren jetzt. Ich glaube, dass die meisten Schüler -insbesondere die jüngeren Jahrgänge- das bisher Gelernte vergessen und das Interesse gänzlich verlieren werden. Hier hat der Bildungsprozess sehr gelitten. Auf der einen Seite habe wir keine Möglichkeiten wie andere Länder, auf der anderen Seite ist der Wissensstand sowohl der Lehrer als auch in den Familien zu gering, um das aufzufangen. Die Regierung ist mit anderen Themen beschäftigt und kümmert sich wenig um Bildung. Das Bildungsministerium bietet Unterricht über Fernsehen an, aber die meisten Gebiete haben dazu keinen Zugang. Letzte Woche führte die Hedayat High-School Verwaltung eine Umfrage durch um zu erfahren, wie viele Schüler in diesem Bereich online Unterricht benutzen. Das Ergebnis war, dass gerade drei Schüler erklärten, dass sie diesem Unterricht folgen.

Das war gut gedacht vom Bildungsministerium, aber es tut uns leid, das Imitieren Anderer ist für uns nicht praktikabel. Viele Schüler haben gar kein Fernsehen, Elektrizität oder einen Internetzugang zu Hause. Das ist nur der Versuch internationales Geld in die Taschen der bereits schon Wohlhabenden zu lenken. Gerade wurde die Schließung der Schulen um drei weitere Monate verlängert. Lehrer lehren nicht. Sie bereiten keine Hausaufgaben für Schüler vor, da sie ihre Schüler nicht sehen, weil deren Familien die Quarantäneregeln strikt einhalten, und dass die Schüler so verstreut leben ist ebenfalls ein nachteiliger Faktor.  

Die meisten Lehrer haben ihre Stifte niedergelegt und stattdessen zu Schaufel und Werkzeug gegriffen um gegen Armut und Hunger zu kämpfen. Sie arbeiten hart auf den Feldern und ich bin einer von ihnen.

Dieses Jahr versuchen wir als Familie lediglich zu überleben, so wie die anderen Lehrer auch. Das ist eine außergewöhnlich schlechte Situation. Zwischen Haus und Land und Land und Haus kommt man sich vor wie ein Gefangener (Zelle – Toilette und wieder zurück).

Diese Krise hat nicht nur physische, sondern auch mentale Konsequenzen. Die Angst an Corona zu sterben und sonst keine positiven Aussichten zu haben beschäftigt die Menschen. Aber das kommt nicht nur durch Corona alleine, sondern auch durch Terrorismus, Taliban, Krieg und weit verbreitete Korruption (die Arme ärmer macht und Reiche reicher). Das sind die Dinge, die die Menschen beeinflussen.

Bisher hatten wir nur wenige Fälle von Corona durch Leute die aus Kabul, Herat oder Iran zurückkamen. In diesen Tagen machen sich viele Menschen aus den Städten auf den Weg nach Jaghori. Die Menschen in Jaghori haben nun noch mehr Angst und es entstehen dadurch neue Probleme.

Die Preise sind gestiegen, so kostet ein Kilo Okra statt 25 AFA jetzt 100 AFA, dagegen ist Benzin so billig wie lange nicht (35 AFA/Liter). Der Grund könnte der geringere Verkehr sein.

Stand September 2020: Die Schulen sind wieder geöffnet, jedoch nur für die 11. und 12. Klassen. Es gestaltet sich jedoch schwierig, die Bevölkerung ist sehr verunsichert, was die Corona Regeln angeht. Es rührt wahrscheinlich daher, dass es hier in Jaghori nur vereinzelt Infektionen gibt. Die Gefahr wird einerseits unterschätzt und daher werden die Schutzmaßnahmen nicht ernst genommen. Andererseits ist die Angst teilweise so groß, dass Eltern ihre Kinder nicht zur Schule schicken wollen. Auch die Maskenpflicht wird in den einzelnen Schulen unterschiedlich gehandhabt, bzw. nicht eingehalten. 

Auch ist in den Klassen nicht genügend Platz, um die nötige Distanz einzuhalten. Dies ist sowohl für uns als Lehrer, als auch für die SchülerInnen selbst, ein großes Risiko, da sie aus unterschiedlichen und weit entfernten Dörfern kommen. Keiner weiß wer infiziert ist und wer nicht.

Auch nach der Öffnung der Universitäten sieht es ähnlich aus. Es ist eine Situation in der wir zwischen Hoffnung und Angst leben - ein harter Schlag für die Bildung!  

 Stand Oktober 2020: Inzwischen gibt es mehrere Corona Fälle in Jaghori, dennoch wurden nun die Schulen drei Monate vor den Winterferien auch für die SchülerInnen der Klassen 1-10 geöffnet. Wir waren freudig überrascht, dass nach so langer Pause viele Kinder wieder zur Schule kamen. In dieser Schule wird die Maskenpflicht ernst genommen.